Jedermann

Die Hammerspieler

Jedermann

von Hugo von Hofmannsthal

Wozu ist jeder Einzelne gegenüber all denen, denen es schlechter geht, verpflichtet? Noch dazu in einer christlichen Welt? Freilich ist diese zentrale Fragen, der sich ein "Everyman" in einer westlichen Wohlstandsgesellschaft nicht entziehen kann, zeitlos.

So zeigt die Produktion Hugo von Hofmannsthals ''Jedermann'', uraufgeführt 1911 in Berlin, im Originaltext und doch einer an unser Heute angelegten Interpretation.

Es gibt nur eine DIE Jedermann, die sich einen jungen Buhlen hält und deren beste Gesellin ein material It-Girl a la Paris Hilton ist. Verlorene Existenzen in ihrem Umfeld sind die abgestürzte, sich prostituierende Nachbarin aus Osteuropa und ihr Schuldner, ein insolventer Steinmetz von Oberpfälzer Granit, der wegen seiner tschechischen Arbeiter beim Bau des Swimmingpools für den Lustgarten der Jedermann auf der Baustelle verhaftet wird. Die familiären Bindungen bestehen zwar, sind jedoch fragwürdig: da gibt es eine Vater-Mutter, die wie aus der Ferne herumpoltert und auch die anderen Verwandten sind skurrile Gestalten, mit denen man eher weniger zu tun haben möchte, 

Da ist kein Wunder, dass sich diese noch junge, kluge, kinderlose Frau irgendwann die Frage nach ihrer Verantwortung und ihrem Lebenssinn stellt. Diese Midlifecrisis führt sie bis hin zu Wahnvorstellungen und Todesängsten. Der Frage nach den Prioritäten im Leben muss die Jedermann sich stellen und sich neu sortieren und organisieren, wenn sie wieder ein zufriedener Mensch sein will. In ihrer psychoseähnlichen Krise wirft sie nun alles in die Wagschale, hadert mit ihrem bisherigen Leben, ihren Bindungen, ihren Taten und auch mit Gott. Am Ende jedoch findet sie geläutert wieder zu sich selbst und auch Halt in Gott.


Anna Funk, aufgewachsen in Ihrlerstein, wohnhaft in München (mehr unter www.anna-funk.de), zuletzt mit ihrer Produktion „Dreiklang“ im Raum Regensburg und München unterwegs, hat ihre Truppe aus Kollegen verschiedener Schauspielproduktionen zusammengesucht. Ulrike Dostal, Darstellerin am Gärtnerplatztheater spielt die Hauptrolle der Anastasia Jedermann, Cati Wolf, Schauspielerin am Gallitheater München gibt die Gesellin, Tim Proetel, Gründungsmitglied der Improtheatergruppe Fastfood, Kunstlehrer und Leiter der Theatergruppe des Gymnasiums Ottobrunn übernimmt die transzendenten Rollen von Gott, Tod und Teufel. Der Glaube wird von Sophie Kirchner, ehemaliger Leiterin des Münchner Medizinertheaters, verkörpert. Die Schauspielschulabsolventin Alex Bauer steht als dicker Vetter auf der Bühne. Die Darsteller Marcel Güds, Lucia von Damnitz und Philipp Andriotis sind zugleich Musiker. Heinrich Gmeiner, Wirtssohn und Diplomingenieur aus der Oberpfalz, gibt sein Bühnendebüt als Schuldknecht.

mit Ulrike Dostal, Sophie Kirchner, Lucia von Damnitz, Cati Wolf,Phlipp Andriotis, Alex Bauer Heinrich Geiner, Marcel Güds und Tim Proetel

Regie: Anna Funk