Purgatorio

Heldentheater GbR

Purgatorio

von Ariel Dorfmann

Ein Mann und eine Frau in einem kargen Raum.  Er im weißen Kittel. Sie soll erkennen. Sie soll sagen. Sie soll Reue zeigen. Ist es eine Patientin vor einem Psychologen, eine Angeklagte im Verhör einer Diktatur, oder eine verlorene Seele im himmlischen Zwischenreich vor einem Engel auf dem Weg zur Vergebung? Sie hat gemordet, mehrfach, auch die Kinder getötet. Wir erkennen Medea, die faszinierendste und umstrittenste aller weiblichen Bühnenfiguren.  Und jetzt wird die Schuld aufgearbeitet. Reue kann aber vorgespielt werden…. Rollenwechsel. Denn auch Jason ist Täter: Er hat Medea verstoßen, um eine neue Frau zu nehmen. Was ist seine Schuld? Welche Annäherungen sind möglich?

In diesem Zwischenreich gibt es kein Entkommen vor den eigenen Taten. Die Konfrontation von Tätern und Opfern ist immer wieder das Thema des chilenischen Autors Ariel Dorfman („Der Tod und das Mädchen“), von Angesicht zu Angesicht. Wir sind menschlich verbunden mit unserem Feind – und lieben wir ihn vielleicht gar?

 „Stell dir die Person vor, welche dir in deinem Leben am meisten Schaden zugefügt hat; stell dir vor diese Person ist dir ausgeliefert; du kannst ihr die Freikarte geben, damit sie sich reinkarniert, erlöst wird oder alles vergisst. Aber stellen wir uns vor, dass diese Person jene ist, der du am meisten Schaden zugefügt hast. Schließe dies in einen Raum ein und du hast Purgatorio.“, so umschreibt Dorfman das Setting seines psychologisch trickreichen „Fegefeuers“ und holt den Mythos in unsere Zeit.

Aber welche Erlösung winkt? Andreas Berner und Yasmin Ott steigen hinab in die Verstrickungen zwischen Täter und Opfer, Mann und Frau, Schuld und Erlösung.

Frau: Yasmin Ott
Mann: Andreas Berner

Regie/Dramaturgie: Natalie Schwebel
Regieassistenz: Conny Hayn